Vorschlag an „linke” Ökonomen für den Umgang mit Gesellschaftskritik

25. Juli 2014 Keine Kommentare

Mir scheinen z.B. die Herren Müller und Berger in eine Art Hysterie zu verfallen, wenn sie mit Begriffen aus der Tradition der Gesellschaftskritik konfrontiert werden. Sie sehen womöglich jenes CDU-Wahlplakat der Nachkriegszeit vor Augen, auf dem es heißt: „Alle Wege des Sozialismus führen nach Moskau.” Alles, was also irgendetwas mit Marx zu tun hat, verschreckt den kleinen Mann bzw. die kleine Frau auf der Straße. Daher lohnt es sich nicht, sich damit zu beschäftigen, scheint das Kalkül zu sein. Wenn man sich aber, wie das David Harvey in seinen Kursen tut, Marxens Kapital unter dem Aspekt ansieht, was dieser Text über die gegenwärtige Situation aussagen kann, wird man feststellen, dass es gar nicht einmal so wenig ist. Das heißt aber nicht, dass nicht manches verbessert und ergänzt werden muss. Doch will heute auch keiner mehr Gold herstellen wie einst Isaac Newton, obwohl seine mechanischen Gesetze (bei niedrigen Geschwindigkeiten) immer noch brauchbar sind. Mehr…

Zur Debatte um die Kapitalismuskritik

22. Juli 2014 2 Kommentare

In letzter Zeit kommt es bisweilen zu einer Debatte zwischen Kapitalismuskritikern und Kritikern im Kapitalismus in der „linken Blogosphäre”, die mich hinsichtlich der letzteren einigermaßen ratlos zurücklässt. Man ergeht sich in Polemik gegen historische Vergleiche, die mit einer angeblichen Romantisierung vergangener Zeiten gleichgesetzt werden, oder gegen linke Prophetie von einst. Wie bei feynsinn ausgeführt belegt z.B. Berger in seinem letzten prokapitalistischem Erguss, entweder seinen Unwillen auf historische Argumente einzugehen, oder seine Unfähigkeit von dem damaligen Stand der Produktivkräfte zu abstrahieren, um der Argumentation Eisenbergs, auf die er sich bezog, überhaupt folgen zu können. M.a.W., man hat es mehr mit Rabulistik zu tun als mit einem Austausch von Argumenten. Mehr…

Geht er? Bleibt er? Keiner weiß es so genau…

15. Juli 2014 1 Kommentar

In Berlin herrscht laut Wall Street Journal großes Rätselraten bezüglich der Frage, ob der CIA-Mann, der ausgewiesen gebeten wurde, das Land zu verlassen, nun noch da ist oder nicht.

“Theoretisch könnte der Mann also schon ausgereist sein und die Bundesregierung wüsste es vielleicht gar nicht”, wollte ein Journalist wissen. Die Antwort: “Theoretisch glaube ich schon, ja, aber ich gehe nicht davon aus, dass das bereits geschehen ist.” Dem Auswärtigen Amt lägen “jedenfalls keine Erkenntnisse vor, das er ausgereist ist”, erklärte Chebli.

Da hilft nur Aufstockung der Geheimdienstkapazitäten und Ausbau der Überwachungsinfrastruktur, dann wird man das schon herausbekommen…
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Aufschließen oder Zurückpfeifen

9. Juli 2014 Keine Kommentare

Lokomotivführer

Als die Lokomotivführer streikten und Lohnerhöhungen erreichten, welche die der anderen Branchen übertrafen, empörten sich viele Zeitgenossen, Mainstream-Medien eingeschlossen. Sie argumentierten, es ginge nicht an, dass eine gesellschaftliche Gruppe ihre berufsständische Schlüsselstellung dazu nutzen dürfe, sich Vorteile im Vergleich zu den übrigen Arbeitnehmern zu erstreiten. Diesen »Privilegien« müsse Einhalt geboten, die Möglichkeit, Vorteile zu erkämpfen, abgeschafft werden.

Piloten

Ähnlich war es beim Ausstand der Piloten und deren Lohnforderungen, welche weit über denen der anderen Branchen lagen. Wieder empörten sich viele Zeitgenossen. Auch die Mainstream-Medien. Wieder hieß es, es sei ungerecht, dass eine gesellschaftliche Gruppe ihre berufsständische Schlüsselstellung dazu nutzen dürfe, bessere Konditionen herauszuschlagen als andere Arbeitnehmer. Diese »Privilegien« müssten abgeschafft werden.

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Hoffnung auf anhaltende „Ausschließeritis”

30. Juni 2014 4 Kommentare

Wieder einmal regt sich ein Nachdenkseiten-Kommentator darüber auf, dass die SPD-Spitze eine Zusammenarbeit mit der Partei „Die Linke” auf Bundesebene ausschließt. Er verweist darauf, dass SPD und Linke sehr viele Gemeinsamkeiten in ihren Grundsatzprogrammen hätten, was ihn dazu bringt anzunehmen, dass es sich mehr um personelle als um politisch-inhaltliche Differenzen handelte.

Auf dem Papier mag das stimmen, doch scheint die SPD keine allzu großen Bauchschmerzen zu haben, mit der Union zusammen alternativlos marktkonforme Politik zu betreiben, obwohl sie programmatisch so sehr mit der Linken übereinstimmt. Es dürfte sich bei der Haltung der SPD-Spitze um PR-Kalkül handeln, weil sie womöglich glaubt, ihrer Wählerklientel ein Zusammengehen mit den „Kommunisten” nicht zumuten zu können, ohne Stimmen zu verlieren. Schließlich geht es „uns” aktuell gut, dem muss die SPD nunmal Rechnung tragen. Mehr…

Le tournant de la rigueur

23. Juni 2014 Keine Kommentare

Da zwischen de la Puente und Erdmann eine Debatte ausgelöst wurde zwischen einer linkssozialdemokratischen und einer kapitalismuskritischen Haltung, möchte ich die Linkssozialdemokraten darauf aufmerksam machen, dass es 1981 den letzten mir bekannten Versuch sozialdemokratischer bzw. keynesianischer Wirtschaftspolitik in einer großen Industrienation, nämlich Frankreich, gab. Mehr…

Schuldenkapitalismus und »Freihandelsabkommen«

22. Juni 2014 Keine Kommentare

Im Folgenden wird eine vom Mainstream abweichende Analyse der gegenwärtigen Krise vorgestellt. Es ist die von Maurizio Lazzarato,[1] von dessen Essay in französischer Sprache inzwischen eine deutsche, italienische und japanische Ausgabe vorliegt. Der hier nachfolgende Artikel beschränkt sich auf die Skizzierung des ersten Teils: Die Schulden als gesellschaftliches Fundament. Im Anschluss wird versucht zu zeigen, wie so genannte Freihandelsabkommen den Schuldenkapitalismus unangreifbar machen sollen

Die öffentlichen Schulden haben die gesamte Gesellschaft verschuldet – was die gesellschaftlichen Ungleichheiten allerdings nicht mindert, es verschärft sie im Gegenteil, und entsprechend trifft der Ausdruck ‘Klassenunterschiede’ die Lage genau.[2]

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Charakteristik der Ware und die Dienstleistungsgesellschaft

10. Juni 2014 Keine Kommentare

Man kann die Ware in Anlehnung an Marx dadurch charakterisieren, dass sie zugleich Träger eines Gebrauchswertes und eines Tauschwertes ist. Das Tauschwertsystem kann ganz und gar seltsame Blüten treiben, wie sich anhand von Menschen, die sich darauf feiern, ein Mobiltelefon als erste käuflich erworben zu haben, problemlos vor Augen führen lässt. Firmenvertreter, die es schaffen, solch emotionale Bindungen an ihre Produkte zu erzeugen, gelten als Gurus des Marktes. Ist der Tauschwert einmal entrichtet, gelangt man als Kunde in den Genuss des Gebrauchswertes, der mitunter nur der Zurschaustellung geschuldet ist, denkt man etwa an Schmuckstücke o.ä.. Mit dieser Betrachtung kann man zugleich darauf schließen, dass die genaue Entwicklung des Waren produzierenden Systems inhärent unvorhersagbar ist, weil es laufend Moden unterworfen ist. Mehr…

Weitere Anmerkungen zu Geld und Kapitalmärkten

23. Mai 2014 Keine Kommentare

Es bietet sich an zwei Arten von Geld zu unterscheiden: Buchgeld und gesetzliche Zahlungsmittel wie die Reserven von Banken bei der Zentralbank und das Bargeld in Form von Münzen und Scheinen. Buchgeld macht demgegenüber den weitaus größten Teil des umlaufenden Geldes aus, was – wie gesehen – durch die Gewährung von Kredit seitens der Geschäftsbanken entsteht 1. Allen Vermögen, sprich Bankguthaben, stehen in der Summe entsprechende Kredite gegenüber, weil sonst Banken kaum Geld machen würden, Kontoführungsgebühren brächten nicht viel ein. In den letzten 30 Jahren kam es zu heftigen „Innovationsschüben” im Finanzsektor dadurch, dass immer mehr verbriefte Kredite, d.h. handelbare Kredite, auf dem Bondmarkt erschienen. Mehr…

Staatsgeheimnis Fracking-Gas?

22. Mai 2014 2 Kommentare

Dass die Stammtisch-Parole “Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten” nur für die Untertanen gilt, die es gefälligst hinzunehmen haben, wenn ihre verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechte flächendeckend ausser Kraft gesetzt werden, kann man an einem aktuellen Vorgang in den USA mal wieder gut beobachten. Dort wurde nun ein Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Veröffentlichung von Informationen über die Zusammensetzung der beim “Fracking” verwendeten Chemikalien zur Straftat machen soll.

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