Vom Wir und vom Guten

18. Februar 2015 Keine Kommentare

Zwei Kernbotschaften spulen die teutonischen Hauptmedien in letzter Zeit immer wieder ab. Die eine lautet, dass es „uns” gut ginge, die andere, dass „wir&rdquo, „die westliche Wertegemeinschaft”, die Guten sind. Sie werden auch recht erfolgreich in die Köpfe der meisten Deutschlandbewohner implementiert, weil diese die politischen Ereignisse eh nicht oder nur am Rande interessieren, sofern es sich nicht um Polit-Hobbyisten handelt. So viel Kundenorientierung haben die Leute bei Presse, Funk und Fernsehen natürlich längst verinnerlicht. Daher wird etwa der Wahl zum Fußballer des Jahres deutlich mehr Beachtung z.B. in Form von Sendezeit in den Radionachrichten geschenkt als Berichten über die Ukraine. Mehr…

Der Duktus des Hasses

17. Februar 2015 Keine Kommentare

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer (mit hasserfüllter Stimme):

Die aufreizende Lässigkeit der griechischen Regierung wird denen [sic] noch vergehen.

aus RP online, 17. Februar 2015

Adolf Hitler am 8.November 1942 im Reichstag:

Die jetzt noch lachen, werden in einiger Zeit vielleicht auch nicht mehr lachen.

aus Anne Frank Webguide

Über Kosten-Nutzen-Analysen

27. Januar 2015 Keine Kommentare

Die Kosten-Nutzen-Analyse gehört zum neoliberalen Denkstil wie das Lob des Marktes und die Staatskritik, nahezu jede politische Maßnahme oder Entwicklung, sofern sie in der veröffentlichten Meinung Beachtung findet, wird einer solchen unterzogen. Sehr beliebt ist zur Zeit von liberal-konservativ bis linksliberal, der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland mit einer Kosten-Nutzen-Analyse zu begegnen. Man verweist vor allem darauf, dass die eingewanderten Menschen hier ihre Steuern und Sozialabgaben zahlen im Gegensatz zu manchem blutsdeutschen Unternehmen. Die große Beliebtheit erklärt sich daraus, dass einem großen Teil des Unternehmertums Meldungen über rechte Demonstrationen und Gewalttaten auf deutschem Boden aufgrund seiner Exportorientierung ein Dorn im Auge sind, weil sie den wirtschaftlichen Erfolg im Ausland über kurz oder lang schmälern könnten. Mehr…

Briefing 2.0

26. Januar 2015 Keine Kommentare

Heute morgen hat der Chefredakteur des Handelsblatts eine seiner denkwürdigen Denkanweisungen abgesondert. Nach so tief schürfender Feststellung wie, der Wunsch der griechischen Wähler nach Schuldenerlass und schneller Selbstbestimmung sei übermächtig gewesen, er sei verständlich, aber unerfüllbar, schließt der Chefredakteur den Abschnitt so:

»Finanzielle Unabhängigkeit kann man nur durch Fleiß, Ideen und Entbehrung zurückgewinnen – nicht durch Wahlen.«

Ja natürlich, Herr Steingart, aber warum so unjournalistisch umständlich? Denselben Inhalt kann man auch prägnanter ausdrücken, mit nur drei Wörtern: »Arbeit macht frei.«

Die so erreichte Übereinstimmung von Form und Inhalt würde Sie zudem lyrisch adeln.

Ohne Worte

13. Januar 2015 6 Kommentare
Europäische Staatsführer inszenieren sich bei Pariser Trauermarsch

Politiker inszenieren sich bei Pariser Trauermarsch (Klick aufs Bild öffnet es in Originalgröße)

KategorienBildung und Medien, Demokratie Tags:

Ein paar Gedanken zur marktwirtschaftlichen Spekulation

9. Januar 2015 Keine Kommentare

In der Marktgesellschaft spielt die Spekulation eine zentrale Rolle. Sogar als unbedeutender kleiner Konsument spekuliert man bisweilen auf ein Schnäppchen, um sich Waren kaufen zu können, die sonst nicht im Bereich der pekuniären Möglichkeiten gewesen wären. Die Anbieter spekulieren wiederum darauf, dass sie durch die Herabsetzung des Preises mindestens den gleichen Gewinn erzielen wie mit dem regulären Preis. Mehr…

Zu wenig CDU in der CDU

15. Dezember 2014 Keine Kommentare

Irgendein Lohnschreiberling meinte letztens allen Ernstes, dass in der Merkel CDU zu wenig CDU stecke. Deshalb müsse die CDU über kurz oder lang ihr Verhältnis zur AfD überdenken, weil in ihr Positionen vertreten würden, die auch konservativere Politiker in der CDU wie ein Merz vertreten würden. Dass es sich dabei um allenfalls marginale Unterschiede handeln kann, kommt den vernebelten Hirnen der konservativen (also eigentlich altliberalen) Presselandschaft nicht in den Sinn.

Wer Fan der bürgerlichen Ordnung ist, dürfte doch mit Merkel bestens bedient sein. Die Vermögenden können weiterhin ungehemmt ihr Vermögen mehren, die schwarze Null im Bundeshaushalt steht, wie man hört. Das Gros der Bevölkerung beschäftigt sich mit existentiellen Themen wie Selfies, Katzenbildern etc. in den sozialen Medien oder youtube-Klamaukvideos, zockt Onlinespiele, oder hat Freude an anspruchslosen TV-Formaten, weiß, dass sie fleißiger als die Griechen und Fussballweltmeister ist. Mehr kann die AfD den Besitzenden des Landes kaum versprechen. Entsprechend schwer fällt es ihr, sich von extrem rechten Positionen abzugrenzen, die eben einen Unterschied machen zum sonstigen Einheitsbrei in der Parteienlandschaft. Mehr…

Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.

8. November 2014 1 Kommentar

Von wegen »Die DDR war ein Unrechtsstaat.« Viel förderlicher für das politische Fortkommen in Deutschland ist der Slogan »Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.« Diesen Satz sollten sich alle die Mitglieder der Linkspartei zu eigen machen, die ein öffentliches Amt anstreben, und ihn möglichst oft in der Öffentlichkeit wiederholen. Dann stehen ihnen alle politischen Türen Deutschlands offen, bis hin zum Amt des Bundespräsidenten.

Also, Herr Ramelow, verkünden Sie es lauthals: »Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.« Und niemand mehr wird Ihr Recht in Frage stellen, Ministerpräsident von Thüringen zu werden. Mehr…

Neoliberale Orientierungslosigkeit am Beispiel von Bundesbildungsministerin Wanka

5. November 2014 2 Kommentare

Mit dem anhaltenden Siegeszug des Neoliberalismus, dessen Ziel gerade in der Entthronung der Politik (Hayek) besteht, entsteht augenscheinlich gerade deswegen eine paradoxe politische Orientierungslosigkeit innerhalb der politischen Klasse selbst. So zeigte sich Bundesbildungsministerin Wanka besorgt über das politische Desinteresse der aktuellen Studierendengeneration, scheinbar ohne sich je vor Augen geführt zu haben, dass die Politik der letzten Jahrzehnte genau dieses Ergebnis hervorbringen sollte. Dies liegt daran, dass eine politisierte Gesellschaft eine Gefahr für das Allerheiligste des Neoliberalismus, das Privateigentum, darstellen könnte. Die neoliberale Politik hat in dieser Hinsicht nicht zuletzt dank des Privatfernsehens ihre Mission erfüllt und durch Privatisierungen die Herrschaft der Wirtschaft ausgeweitet, sich stückweise immer weiter entmachtend, weil der Markt es besser kann. Mehr…

Briefing

15. Oktober 2014 Keine Kommentare

Die Welt ist doch voller Kuriosa. Da gibt es eine Online-Zeitung, die führt eine Rubrik namens »Morning Briefing«. Das Kuriose: Die Sprache dieser Zeitung ist nicht Englisch, sondern Deutsch. Überhaupt ist sie für Leser deutscher Zunge gemacht, und nicht für englischsprachige Erdenbewohner; jedenfalls legt das der sonstige Inhalt des Blattes nahe: er ist unverkennbar in Deutsch gehalten. Was also treibt den Kolumnisten, das, was er Deutschen auf Deutsch aufschreibt, »Briefing« zu nennen? Mehr…