Der nicht aufzufindende „echte” neoliberale Kapitalismus

24. Juli 2015 Keine Kommentare

Ein Kommentator namens lepus auf burks Blog beschwerte sich darüber, dass Uthoff und von Wagner in der Sendung Die Anstalt mit ihrer Kritik an der Griechenlandpolitik Propaganda für sozialistische Utopien betrieben, und führte weiter aus: „Die propagierte (sozialistische) Solidarität ist überholt weil unecht und dysfunktional. Verordnete kollektive Zwangssolidarität ist ein Paradoxon. Echte Solidarität ist freiwillig. Es gäbe sie im echten Kapitalismus.” Mehr…

Der feine Unterschied zwischen normativ und deskriptiv

19. Juli 2015 Keine Kommentare

Obwohl die linksliberale bzw. keynesianische Perspektive mehr zu bieten hat als die neoliberale, scheinen auch die Linksliberalen Schwierigkeiten zu haben, zwischen normativen und deskriptiven Begriffen sauber zu unterscheiden. So ist in Flassbecks jüngstem Artikel zu lesen, dass man die Marktwirtschaft zum Wohle aller betreiben könne. Weiß man bei Neoliberalen nie, ob der freie Markt die Norm oder das Resultat kultureller Evolution sein soll, scheint die linksliberale Position eine Norm an den Markt anzulegen, sich gefälligst gemeinwohldienlich betreiben zu lassen. Dieser Ansatz kollidiert mit dem Anspruch auf freies Unternehmertum, weil diesem über kurz oder lang Vorschriften gemacht werden müssten. Wenn das Unternehmerselbst eines bestimmt nicht will, dann vom Staat betrieben zu werden. Fragwürdig ist auch, ob in einer empirischen Wissenschaft dem zu beobachtenden Gegenstand eine bestimmte Regularität vorgeschrieben werden kann. Man kann zwar wollen, dass ein Ziegelstein nach oben falle und auch eine Theorie dazu aufstellen, darum wird der Ziegelstein dem Wunsch noch lange nicht Folge leisten. Mehr…

Theorie, Praxis, Gesellschaftskritik und Verschuldung

12. Juli 2015 Keine Kommentare

Die Grundidee hinter einem Vortrag Ingo Elbes ist den drei staatskritischen Theorien von Kurz, Holloway und Hirsch die Unterstellung einer gewünschten Praxis nachzuweisen. In Ermangelung starker staatsfeindlicher bzw. antikapitalistischer Bewegungen in der Gegenwart versuchen sie Elbe zufolge, diesen Mangel durch theoretische Ableitung einer neuen Praxis auszugleichen.

Ein wichtiges Ziel der meisten Theorien ist die Prognose. Prognostiziert wird von den genannten Theoretikern folglich, wie überzeugend auch immer, eine ihrer Theorie gemäße Praxis. Diesem Ziel stellt Elbe die Gesellschaftskritik gegenüber, die keine Prognose liefere, sondern versuche, die schlechten Verhältnisse zu benennen, ohne sichere Aussicht auf irgendeinen positiven Einfluss sozusagen im Bewusstsein der Ohnmacht. Sollte Elbe mit seiner Interpretation richtig liegen, würde ich zustimmen, dass sich aus einer Theorie der kapitalistischen Gegenwart keine politische Praxis mit Notwendigkeit ableiten aber auch nicht ausschließen lässt. Mehr…

Lug und Trug

8. Juli 2015 Keine Kommentare

Nach dem Beschluss des griechischen Volkes, keine weiteren neoliberalen Verelendungsmaßnahmen der übrigen Euroländer zu akzeptieren, steht zu erwarten, dass nach wochenlanger Zurückhaltung die so genannten Ratingagenturen wieder auf das Übelste von sich reden machen werden – eine Perspektive, die mir eine WDR5-Radiosendung vom 27. August 2012 in der Rubrik Redezeit wieder ins Gedächtnis ruft. Sie trug den Titel Ihr Statement hat große Wirkung. In dieser Sendung wurde Dr. Werner Rügemer zum Thema »Ratingagenturen« interviewt. Heraus kam Erstaunliches:

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Wettbewerb in den Wirtschaftswissenschaften

29. Juni 2015 Keine Kommentare

Eine immer wieder gern in den Raum gestellte Forderung, wenn über die Wirtschaftswissenschaften geklagt wird, ist die nach mehr „Wettbewerb”. So sagte Thomas Fricke letzte Woche: „Nötig wäre in den Wirtschaftswissenschaften noch viel mehr von dem Wettbewerb, den die Ökonomen anderen so gern empfehlen.”. Irgendwie sind ihm die Verlautbarungen der deutschen Ökonomen zu einmütig, kann man doch aus anderen Ländern konträre Positionen hören.

Nimmt man eine wissenschaftshistorische Perspektive ein, kann man zunächst feststellen, dass die Erfolge der Naturwissenschaften in der frühen Neuzeit auf Entdeckungen mit neuen Beobachtungsgeräten wie Teleskop und später dem Mikroskop beruhten. Es gab damals durchaus schon einen Wettbewerb darum, wer als erster dieses oder jenes Phänomen entdeckte oder diese oder jene Theorie auf der Basis neuer Beobachtungen aufstellte. Mehr…

Von steigender und fallender Intonation

24. Juni 2015 Keine Kommentare

Der Gegenstand dieses Artikels, das Kürzel »OK«, scheint außerhalb der Themenkreise unseres Blogs zu liegen. Allerdings nur auf den ersten Blick.

»OK«. Seine Ursprünge sind geklärt. Aber seit seiner Einwanderung aus dem Amerikanischen war »OK« Ausdruck von Zustimmung, Affirmation, Bestätigung. Kurz, knapp – männlich. »Wird gemacht, Chef.« wäre für einen Tatmenschen schon viel zu lang. Ebenso das »Ist in Ordnung.« Klingt nach Untergebenheit. »Gut« ist zwar noch kürzer, kann »OK« aber nicht ersetzen. »Manni, hol den Hammer!« – »Gut!« …passt hier nicht wirklich. Also »OK«.

Ähnlich kurz wie »OK« ist aber auch das soldatische »Jawoll« Doch dem fehlt nicht nur eine wichtige Bedeutungsvariante, die der persönlichen Bewertung: »Die Idee ist jawoll.« geht nicht. OK! »Jawoll« ist außerdem verstaubt, militaristisch, ist Niederlage und Schmach. Das Flair der Sieger hingegen atmet in den Fünfzigerjahren das »OK«. Modernität, Lucky Strike, Chewing Gum, später Marlborough Man. »OK«, das hatte was.

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Die Langeweile pensionierter Vorstände in der gegenwärtigen Demokratie

12. Juni 2015 Keine Kommentare

Der nächste liberal-konservative Kopf, dem fad ist wie dem Publizisten Schüle, beklagt sich über die mangelnde Streitlust als Bedrohung für die Demokratie. Diesmal ist es Edzard Reuter, der sich zu Wort meldet, und über die Konsequenzen der Politik der eigenen Klientel jammert und wohl auch ein wenig Werbung für seine Bücher machen will. Leitbild ist für ihn die bundesrepublikanische Vergangenheit mit großem Lob für Willy Brandt, weswegen die Verlinkung auf den Nachdenkseiten wohl unvermeidlich gewesen ist. Mehr…

Ein paar Informationen zur EU und zur Geopolitik der USA

28. Mai 2015 Keine Kommentare

Diesmal geht es um zwei Videobeiträge, zu denen ich kurz meinen Senf geben werde, einerseits um die komplottistische Dokumentation „Das Vierte Reich – Die Vereinigten Staaten von Europa (2015)” und um einen Diskussionsbeitrag von George Friedman, CEO und Gründer von STRATFOR, „Europe: Destined for Conflict?” der vor einiger Zeit durch die Blogosphäre geisterte. Mehr…

Zu den Themen unseres gestrigen Treffens

27. Mai 2015 Keine Kommentare

An dieser Stelle mal wieder ein paar Links zu den diversen Themen unseres gestrigen Gesprächskreistreffens.
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Der große Bluff

26. Mai 2015 Keine Kommentare

Der Bluff ist ein Verhalten beim Kartenspiel mit dem Zweck, die Gegner zum eigenen Vorteil in die Irre zu führen. Ausgehend vom Kartenspiel fand der Begriff Bluff Eingang in die Alltagssprache und beschreibt allgemein eine Form der Täuschung, die demselben Schema folgt.

Wikipedia.

Der Hintergrund

In den letzten Jahren sind die durch Staus verursachten Verkehrsbehinderungen auf Deutschlands Autobahnen zu einem Dauerzustand geworden. Überlastungen aufgrund der Überschreitung der Kapazitätsgrenzen sowie der Flickenteppich von Baustellen bringen den Verkehrsfluss immer häufiger zum Stillstand. Wegen der Staus entstehen der Wirtschaft jedes Jahr 2,1 Milliarden Euro an indirekten Kosten. Und so werden die Forderungen an die Gesellschaft nach Bereitstellung von Verkehrsinfrastruktur, die den wirtschaftlichen Erfordernissen gerecht wird, immer lauter.

Aber: Der notwendige Straßenbau (Instandhaltung + Ausbau) ist aus den öffentlichen Haushalten schon lange nicht mehr finanzierbar und zwar aus mindestens drei Gründen: Mehr…