Wettbewerb in den Wirtschaftswissenschaften

29. Juni 2015 Keine Kommentare

Eine immer wieder gern in den Raum gestellte Forderung, wenn über die Wirtschaftswissenschaften geklagt wird, ist die nach mehr „Wettbewerb”. So sagte Thomas Fricke letzte Woche: „Nötig wäre in den Wirtschaftswissenschaften noch viel mehr von dem Wettbewerb, den die Ökonomen anderen so gern empfehlen.”. Irgendwie sind ihm die Verlautbarungen der deutschen Ökonomen zu einmütig, kann man doch aus anderen Ländern konträre Positionen hören.

Nimmt man eine wissenschaftshistorische Perspektive ein, kann man zunächst feststellen, dass die Erfolge der Naturwissenschaften in der frühen Neuzeit auf Entdeckungen mit neuen Beobachtungsgeräten wie Teleskop und später dem Mikroskop beruhten. Es gab damals durchaus schon einen Wettbewerb darum, wer als erster dieses oder jenes Phänomen entdeckte oder diese oder jene Theorie auf der Basis neuer Beobachtungen aufstellte. Mehr…

Von steigender und fallender Intonation

24. Juni 2015 Keine Kommentare

Der Gegenstand dieses Artikels, das Kürzel »OK«, scheint außerhalb der Themenkreise unseres Blogs zu liegen. Allerdings nur auf den ersten Blick.

»OK«. Seine Ursprünge sind geklärt. Aber seit seiner Einwanderung aus dem Amerikanischen war »OK« Ausdruck von Zustimmung, Affirmation, Bestätigung. Kurz, knapp – männlich. »Wird gemacht, Chef.« wäre für einen Tatmenschen schon viel zu lang. Ebenso das »Ist in Ordnung.« Klingt nach Untergebenheit. »Gut« ist zwar noch kürzer, kann »OK« aber nicht ersetzen. »Manni, hol den Hammer!« – »Gut!« …passt hier nicht wirklich. Also »OK«.

Ähnlich kurz wie »OK« ist aber auch das soldatische »Jawoll« Doch dem fehlt nicht nur eine wichtige Bedeutungsvariante, die der persönlichen Bewertung: »Die Idee ist jawoll.« geht nicht. OK! »Jawoll« ist außerdem verstaubt, militaristisch, ist Niederlage und Schmach. Das Flair der Sieger hingegen atmet in den Fünfzigerjahren das »OK«. Modernität, Lucky Strike, Chewing Gum, später Marlborough Man. »OK«, das hatte was.

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Die Langeweile pensionierter Vorstände in der gegenwärtigen Demokratie

12. Juni 2015 Keine Kommentare

Der nächste liberal-konservative Kopf, dem fad ist wie dem Publizisten Schüle, beklagt sich über die mangelnde Streitlust als Bedrohung für die Demokratie. Diesmal ist es Edzard Reuter, der sich zu Wort meldet, und über die Konsequenzen der Politik der eigenen Klientel jammert und wohl auch ein wenig Werbung für seine Bücher machen will. Leitbild ist für ihn die bundesrepublikanische Vergangenheit mit großem Lob für Willy Brandt, weswegen die Verlinkung auf den Nachdenkseiten wohl unvermeidlich gewesen ist. Mehr…

Ein paar Informationen zur EU und zur Geopolitik der USA

28. Mai 2015 Keine Kommentare

Diesmal geht es um zwei Videobeiträge, zu denen ich kurz meinen Senf geben werde, einerseits um die komplottistische Dokumentation „Das Vierte Reich – Die Vereinigten Staaten von Europa (2015)” und um einen Diskussionsbeitrag von George Friedman, CEO und Gründer von STRATFOR, „Europe: Destined for Conflict?” der vor einiger Zeit durch die Blogosphäre geisterte. Mehr…

Zu den Themen unseres gestrigen Treffens

27. Mai 2015 Keine Kommentare

An dieser Stelle mal wieder ein paar Links zu den diversen Themen unseres gestrigen Gesprächskreistreffens.
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Der große Bluff

26. Mai 2015 Keine Kommentare

Der Bluff ist ein Verhalten beim Kartenspiel mit dem Zweck, die Gegner zum eigenen Vorteil in die Irre zu führen. Ausgehend vom Kartenspiel fand der Begriff Bluff Eingang in die Alltagssprache und beschreibt allgemein eine Form der Täuschung, die demselben Schema folgt.

Wikipedia.

Der Hintergrund

In den letzten Jahren sind die durch Staus verursachten Verkehrsbehinderungen auf Deutschlands Autobahnen zu einem Dauerzustand geworden. Überlastungen aufgrund der Überschreitung der Kapazitätsgrenzen sowie der Flickenteppich von Baustellen bringen den Verkehrsfluss immer häufiger zum Stillstand. Wegen der Staus entstehen der Wirtschaft jedes Jahr 2,1 Milliarden Euro an indirekten Kosten. Und so werden die Forderungen an die Gesellschaft nach Bereitstellung von Verkehrsinfrastruktur, die den wirtschaftlichen Erfordernissen gerecht wird, immer lauter.

Aber: Der notwendige Straßenbau (Instandhaltung + Ausbau) ist aus den öffentlichen Haushalten schon lange nicht mehr finanzierbar und zwar aus mindestens drei Gründen: Mehr…

Handreichung zur Identifikation und Behandlung flüchtlingsfähiger Wasserfahrzeuge.

23. Mai 2015 1 Kommentar

Du sitzt in einem Flugzeug oder stehst auf der Brücke eines Schiffes auf dem Mittelmeer oder hockst am Drohnen-Steuerpult in Ramstein und sollst uns vor Menschen schützen, die zu uns kommen wollen. Dazu sollst du Wasserfahrzeuge zerstören, die von »Menschenschmugglern« benutzt werden (könnten). Du fragst dich: »Wie erkenne ich sie?« und »Wie behandele ich sie?«

Fall 1. Ein anscheinend leeres Boot/Schiff auf dem offenen Meer. Bombardiere es sofort, bevor Passagiere, die sich möglicherweise unter Deck aufhalten, sich zeigen. Dann kannst du später überzeugend anführen, du hättest geglaubt, das Wasserfahrzeug sei leer gewesen. So handelst du formal im Einklang mit der veröffentlichten Politik der Europäer, zuerst vorhandene Passagiere zu retten und dann das Wasserfahrzeug zu zerstören.

Fall 2. Dieser Fall wird akut, wenn der Plan der Europäer realisiert wird, flüchtlingsfähige Wasserfahrzeuge an Land zu zerstören, und versorgt das europäische Vernichtungspersonal mit lebenslanger Beschäftigung: Die Zahl solcher Wasserfahrzeuge dürfte allein auf dem Küstenabschnitt von Libyen bis Ägypten in die Hunderttausende gehen. Mehr…

Impliziert der Kapitalismus das Patriarchat?

22. Mai 2015 Keine Kommentare

Es gibt die theoretische Vorstellung, dass der Kapitalismus strukturell patriarchal sei, weil die Produktionsweise selbst die traditionelle Familienstruktur begünstige. Der Mann geht also lohnarbeiten und die Frau kümmert sich um die Familie, was bis vor nicht allzu langer Zeit für die großen Industrienationen empirisch und mentalitätsmäßig gesehen zutraf. Nun berichtet Exner, dass die Entwicklung in Barbados eine andere Richtung genommen hätte und die Verteilung der Arbeit zwischen Männern und Frauen ziemlich gleichmäßig verteilt gewesen sei. (Die zitierte Studie ist aus den 1970ern, wie das heute in Barbados aussieht, steht dort nicht.) Barbados war allerdings kein kommunistisches Land sondern ein kapitalistisches. Somit kann die eben angedeutete theoretische Idee, wonach der Kapitalismus das Patriarchat voraussetzt, in dieser Ausschließlichkeit nicht aufrechterhalten werden. Mehr…

Was uns mit CETA, TTIP und TiSA blühen kann

19. Mai 2015 Keine Kommentare

Die Maut für die Brücke vom US-amerikanischen Detroit über den Detroit River in die kanadische Stadt Windsor bringt dem Eigentümer, dem US-amerikanischen Milliardär Manuel »Matty« Moroun, satte Gewinne. Nun ist aber die Brücke mit dem dichten Verkehr ständig überlastet, weshalb Canada zur Entlastung eine zweite Brücke bauen will. Aber das passt »Matty« gar nicht. Und so verklagt er den Staat Canada auf 3,5 Milliarden Dollar Schadenersatz – auf der Basis des Freihandelsabkommens NAFTA. Das Urteil des Geheimgerichts steht noch aus.

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Die Besonderheit des US-amerikanischen Verschuldungsregimes

15. Mai 2015 Keine Kommentare

Ernte23 schreibt im dritten Abschnitt seines Artikels Zu Robert Reichs Rück- und Ausblick auf die Arbeitsgesellschaft:

»Nachdem ein gewisser Wohlstand während des Golden Age of Capitalism in den Industriestaaten auch die unteren Schichten erreicht hatte, schlief die US-amerikanische Arbeiterbewegung gewissermaßen vor dem Fernseher ein und bekam folglich gar nicht mit, dass das einmal erkämpfte Wohlstandsniveau ab den 1970ern nur noch durch Verschuldung aufrecht erhalten werden konnte.«

Und er stellt dann die Frage: »Hätte eine ausreichende Zahl Elitenmitglieder tatsächlich ein vitales Interesse daran, mit massiven Medienkampagnen die Leute darüber aufzuklären, was passiert ist?«

Nein, mit Sicherheit nicht. Aber wir vom Nachdenken in Düsseldorf haben dieses Interesse. Zur »Aufklärung der Leute« können wir allerdings keine »massiven Medienkampagnen« aufbieten, sondern nur zwei bescheidene Schaubilder.

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