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Archiv für die Kategorie ‘Bildung und Medien’

Machtblindheit

21. Mai 2013 Keine Kommentare

Die Argumentationen von Anhängern der keynesianischer Maßnahmen appellieren an die ökonomische Vernunft der Herrschenden und meinen damit die Regierungen. Sie blenden dabei völlig aus, dass die politische Macht meist der ökonomischen Macht folgt, so dass die „mitfühlenden” Unternehmen bzw. ökonomischen Eliten ihre Ansprechpartner wären, die nicht bloß ihr Gewinnmaximum als Ziel haben. Wie viele von denen würden sich wohl dazu zählen? Mehr…

Wiederholung neoliberaler Zielvorstellungen

Napoleon soll einmal geäußert haben, dass die Wiederholung das einzige wirksame rhetorische Mittel sei. Deswegen kann es wohl nicht schaden zu wiederholen, dass das sozialpolitische Ziel einer Hauptströmung des Neoliberalismus die Verhältnisse des Manchesterkapitalismus in Großbritannien um die 1870er und 1880er Jahre sind. Von der Vermögens- und Einkommensverteilung her müsste dieselbe Zuspitzung schon wieder erreicht sein und über die Jahrhunderte hinweg betrachtet, ist tatsächlich etwas vom gesellschaftlichen Reichtum bzw. technischen Fortschritt nach unten weiter gereicht worden, wenn man etwa an die medizinische Versorgung denkt. Es geht darum, dass einige wenige „frei” sein können, weil Freiheit nicht allen gewährt werden kann. Der Rest hat sie den Reichen und Schönen eben zu gönnen. Mehr…

Reformismus und darüber hinaus

12. März 2013 1 Kommentar

Inzwischen findet sich reformistische Sozialdemokratie am linken Rand des etablierten Parteienspektrums wieder, während der Großteil der offiziellen Sozialdemokraten sich inzwischen im liberal-konservativen Lager heimisch fühlt, wenn sie sich auch einer etwas anderen Wortwahl befleißigen. Gleichzeitig findet man in der veröffentlichten Meinung fast ausschließlich liberal-konservative Positionen, die den traditionellen Reformismus in seiner Linksaußenstellung zementiert.

So ist es seit der Schröderzeit ein leichtes für die Demagogen des Mainstreams sozialdemokratischen Reformismus als Kommunismus zu verunglimpfen, so dass das politische Koordinatensystem des durchschnittlichen Medienkonsumenten völlig durcheinander geraten ist. Darum sind die politischen Verhältnisse so festgefahren, dass nur noch Randthemen wirklich heiß disktutiert werden wie die steuerliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften. Offenbar gibt es kaum etwas dringlicheres, was der Parlamentarismus zu klären hätte, weil alle grundsätzlicheren Fragen schon alternativlos beantwortet sind. Mehr…

Zum Interview mit Philip Mirowski in der FAZ

25. Februar 2013 Keine Kommentare

Die neoliberale Ideologie ist viel umfassender, viel tiefgehender, sagt Mirowski, als dass sie eine bloße Abkopplung der Finanzsphäre von der realwirtschaftlichen und damit den sogenannten Kasinokapitalismus bewirkt hätte, der sich irgendwie makroökonomisch in den Griff bekommen ließe, weil, so würde ich ergänzen, sie eine Theorie kultureller bzw. gesellschaftlicher Evolution beinhaltet. Den Markt als Milieu der kulturellen Evolution aufzufassen, macht es für „linke” Ökonomen schwierig, sich erkennbar vom Neoliberalismus abzugrenzen, weil Ökonomen eigentlich alle Adepten der Marktwirtschaft sind. Letztlich bleibt ihnen nur, die der neoliberalen Maxime folgenden Politiker als dumm zu bezeichnen, weil sie ein ziemlich offenkundig gemeinwohlschädigendes Programm verfolgen, wie dies auf den Nachdenkseiten des öfteren geschieht. Wer aber hat gesagt, dass es bei der Marktwirtschaft um das Wohl aller ginge? Für den Neoliberalismus ist sie die Bühne für den Kampf ums Dasein, da bleiben schon einmal ein paar auf der Strecke, die wirtschaftlich nicht mehr gebraucht werden. Mehr…

Vom Wert eines negativen Menschenbildes

20. Februar 2013 Keine Kommentare

Homo oeconomicus

Obwohl bisweilen zu vernehmen ist, dass die Wirtschaftswissenschaft sich reformieren wolle, kann bislang nicht von einem durchschlagenden Erfolg dieser Bemühungen gesprochen werden. Der axiomatische homo oeconomicus ist meines Wissens immer noch das Grundmodell, auf dem das formale ökonomische Gedankengebäude fußt, das angehenden Absolventen vermittelt wird. Nicht erst seit der Subprime-Krise ist bekannt, dass dieses Modell empirisch kaum haltbar ist. Dennoch wurde und wird es weiter verwendet, weil – so meine Vermutung – der Nachweis gelungen ist, dass rein auf den eigenen Vorteil bedachtes Nutzenmaximierungsverhalten zu einer gleichgewichtigen Situation führt. Zwar sind die diesbezüglich zu treffenden Annahmen vorsichtig formuliert kühn, doch lässt sich so behaupten, das für den schlechtesten Fall rein egoistischer Personen, die Marktwirtschaft die beste Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen bereitstellt. Warum sollte man davon abrücken? Mehr…

Liberales Gejammer

14. Januar 2013 Keine Kommentare

Bei le-bohemien ist einer jener lamoryanten Kommentare von Florian Sander ob des Zustandes unserer Demokratie zu lesen, der aus der liberalen bis konservativen Ecke wie der Autor des Bändchens Postdemokratie Colin Crouch stammt. Postdemokratie bezeichnet einen Zustand, in dem die Bedeutung der demokratischen Institutionen für politische Entscheidungen stark geschwunden ist. Diese werden irgendwie an anderer Stelle ausgehandelt, wobei die Vermutung nur schwer von der Hand zu weisen ist, dass es sich dabei um einflussreiche Kreise der wirtschaftlichen Elite handelt. In der Bestandsaufnahme kann ich diesem Artikel sogar wie auch Colin Crouchs Analysen etwas abgewinnen, die Reflexion des eigenen Wunschbildes von Parlamentarismus sparen sich diese liberalen Kritiker ihrer im Grunde eigenen Ideologie jedoch. Im Fokus Sanders ist das Projekt Europa, zu dem die etablierten Parteien hierzulande keine Alternative sehen.
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Zur Relevanz des politischen Journalismus

8. Januar 2013 5 Kommentare

Eine Etüde in Textanalyse war zum Jahresausklang beim Spiegelfechter zu finden, die sich mit einem Artikel über den SPD Kanzlerkandidaten Steinbrück befasst. Laut eigenen Angaben erreicht die Süddeutsche eine Leserschaft von 1,41 Millionen. Diese macht bei rund 62 Millionen Wahlberechtigten 2,27 % der Wählerschaft aus, sofern man davon ausgeht, dass alle Leserinnen wahlberechtigt sind. Lohnt es tatsächlich die Mühe einen Artikel über Steinbrück zu analysieren, der dort vom Inhalt her allem Anschein nach genauso gut über einen beliebigen Fußballtrainer hätte stehen können? Selbst wenn in der Süddeutschen besserer Journalismus betrieben würde, würde es einen Unterschied machen? Die obigen Zahlen lassen mich eher zweifeln. Mehr…

Stuss

2. Januar 2013 1 Kommentar

Ein Zeitgenosse, dessen Name mir entfallen ist, schrieb kürzlich scherzhaft: »Ich stelle eine Kuh auf den asphaltierten Parkplatz eines Supermarkts und füttere sie reichlich mit Milch. Dann verwandelt sich der Parkplatz von selbst in eine saftige Wiese.«

Jeder, der seine fünf Sinne noch einigermaßen beisammen hat, wird diese Aussage als das bezeichnen, was sie ist: entweder als Satire oder als Idiotie. Aber nur wenige nehmen seltsamerweise Anstoß an hanebüchenen Verstößen wider die Gesetze der Logik wie etwa an den folgenden: Mehr…

Falschheiten aus dem Westen

23. Dezember 2012 1 Kommentar
Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin a.D., Meerbusch
22.12.12:

Newtown-Kindermassaker,

Interview mit Wolfgang Ischinger im Deutschlandfunk 12.12.2012, 7.15 Uhr

Menschliches Kriterium nicht verlieren – Ein déjà-vu von konstruierten Falschheiten aus dem Westen.

Barack Obama beweint selbstverständlich die sinnlose Tötung von amerikanischen Kindern. Aber hat sich der US-Präsident einmal über Traumata und Tod tausender unschuldiger Kinder Gedanken gemacht, die eine amerikanische Gewalt-Außenpolitik mit sich bringt? Hat er darüber nachgedacht, mit welchem Recht er eine friedliche Lösung in arabischen Ländern kaltblütig blockiert, einfach deshalb, weil deren Regierungen ihm nicht passen? Dabei sterben täglich weitere Kinder und Erwachsene. Über ihren Tod braucht er wohl gemäß der Kultur seines Landes keine Träne zu vergießen, es waren ja meistens bloß Asiaten oder Afrikaner. Mehr…

Die Präsentation der VWL in Lehrbüchern am Beispiel des Arbeitsmarktes

20. Dezember 2012 1 Kommentar

Der Philosoph Kazimierz Rynkiewicz sagt in seinem Buch „Der Umgang mit Wissen heute” über die Wirtschaftswissenschaften der Gegenwart, dass sie allenfalls Begleiter des wirtschaftlichen Geschehens sind (S. 89). Dabei handelt es sich um eine vornehme Umschreibung dafür, dass sie kaum Wissen über das Wirtschaftsgeschehen sammelt. Vielmehr geht sie normalerweise so vor, dass ein mathematisches Modell aufgestellt wird, das die Änderungen seiner endogenen (modellinternen) Variablen erklären soll. Exogen sind hingegen jene Variablen, die außerhalb des Modells bestimmt werden. Zur Erklärung der Funktionsweise des Arbeitsmarktes bspw. müssen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage freilich endogene Variablen sein, deren Differenz ergibt dann Arbeitslosigkeit oder Arbeitskräftemangel. Hierzu wurden verschiedene Modelle entwickelt, die üblicherweise ziemlich unverbunden in den Lehrbüchern dargestellt werden. Als exogene Variable könnte man sich in dem Zusammenhang etwa eine Epidemie vorstellen, die das Arbeitsangebot reduziert. Zur Illustration sei kurz der sog. walrasianische Arbeitsmarkt angeführt, der durch die Arbeitsangebots- und Arbeitsnachfragekurven modelliert wird. Mehr…

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